MAAIKE  DIRKX


Flakes Store – Monster Beauty

Maaike Dirkx verführt uns mit spielerischer Sinnlichkeit in eine heitere Welt aus ölgemalten Schönheiten und bonbon-bunten Konsumartikeln. Mit erotischem Augenzwinkern und viel Charme ziehen uns die „Flakes Girls“ in ihren Bann. Die niederländische Künstlerin verhilft dabei mit sinnlicher Ironie der weiblichen Sexualität zu mehr Selbstbestimmung und schenkt dem Betrachter gleichzeitig einen farbenfrohen Moment der Unbeschwertheit.

Die Künstlerin nutzt dabei den unwiderstehlichen Charme des Pin-Ups ebenso wie die verlockenden Gestaltungsmittel der Werbung unserer Zeit.

Für die gebürtige Niederländerin steht das PinUp und ihre Entwicklung Symbol für die sexuelle Befreiung der Frau. Denn anders als es das Klischee der jungen hübschen Mädchen, mit versehentlich entblößten und endlos langen Beinen vermuten lässt, bedarf es mehr um die Prestige dieses uneinheitlichen Sexsymbols zu deuten. Sie ist viel mehr als nur bis heute andauerndes Produkt männlicher Lust. Die übernatürlich proportionierten Schönheiten sind auch Marketingobjekt, patriotische Unterstützerin im Zweiten Weltkrieg sowie Leitbild und Identifikationsfigur. Umso erstaunlicher, dass diese uramerikanische Ikone einer Männerphantasie zum Sinnbild der weiblichen Selbstbestimmung wurde denn es dauerte nicht lange bis sich Frauen die vielfachen Identitäten des Pin-Ups wieder zu Eigen machten und es neu erfanden. So findet sich diese nostalgische Figur und Stilrichtung heute in der Popkultur ebenso wieder wie im Burlesque und auf den Titeln der Lifestyle-Magazine.

Doch was hat sich im laufe der Zeit verändert? Wo lag und liegt der Unterschied zwischen sexistischen Männergelüsten und modernen, selbstbestimmten Darstellungen von Frauen? Wie die Farben auf der Leinwand scheinen die Grenzen zu verschwimmen wenn man die ersten Stimmen sagen hört, sie bediene männliche Vorstellungen von weiblicher Sexualität. Doch die „Flakes Girls“ überzeugen uns mit Selbstbewusstsein, Eigenwilligkeit und Ausdrucksstärke. Sie bestimmen selbst über ihre Posen, ihren Blick und letzten Endes über ihre Sexualität.

Und so ist auch nicht verwunderlich, dass die mit der Verlockung spielende Künstlerin sich als Bühne für Ihre Flakes Girls die bunten Cerealien-Verpackungen ausgesucht hat. Denn wie wir wissen sind gerade die perfektioniert um Kinder zur Versuchung zu führen. Und gerade diese spannungsgeladene Mischung, des Spiels mit erwachsen-sündhaften und kindlich-unschuldigen Begehrlichkeiten macht Dirkxs Kunst gerade so reizvoll.


Flakes Store – A Piece of Pop Art

Mit ihrem FLAKES STORE steht Maaike Dirkx ganz klar in der Tradition von Andy Warhols berühmter Campbell’s Soup Cans Serie. Als Irving Blum damals im Juli 1962 die 32 Leinwandarbeiten Warhols in dessen erster One-Man Show in der Ferus Gallery in LA ausstellte, war keinem der Akteure zunächst bewusst, welchen Einfluss und Nachhall die abgebildeten Suppendosen hinterlassen würden. Was vor über einem halbem Jahrhundert die vom Abstrakten Expressionismus beherrschte, amerikanische Kunstwelt erschütterte, sie in der Radikalität des Ausdrucks geradezu schockierte, bleibt auch heute nicht ohne Wirkung.

Man nehme ein an Banalität kaum zu übertreffendes, massengefertigtes Alltagsobjekt, erhebe es zum alleinigen Sujet der künstlerischen Arbeit, et voilà, es wird Kunst! Dirkxs Konzept eines Supermarkts voller Frühstücks-Cerealien-Packungen transferiert Warhols Initialzündung in eine ganz eigene und ist dabei adaptierend und abstrahierend zugleich.

Hierbei erstellt sie nicht nur ein gemaltes 2D-Abbild, sondern bildet es quasi in 3D nach. Dabei ist jede Packung ein Unikat und somit kein Massenprodukt, obwohl es Massenware imitiert. Auch die Präsentation ist eine andere: anstelle der klassischen Galerie wird ein supermarktgleiches Ambiente erschaffen. Der dargestellte Alltagsgegenstand wird zu einem eigenen Objekt erkoren/geboren, welches sich auch im Äußeren unterscheidet. Format, Label und Comic-Maskottchen als Erkennungsmerkmal orientieren sich noch am originalen Konsumprodukt, allein der Fokus der Werbepräsentation wird verlagert: den tierischen Hauptakteuren werden menschliche hinzugefügt. So wird Tony the Tiger eine Pin-Up Schönheit zur Seite gestellt und auch Dig’Em Frog erhält Gesellschaft. Wenn man Werbung derart aus dem Kontext nimmt, verlagert sich auch ihre Bedeutung: Daseinsberechtigung und Intention werden hinterfragt. Indem sich der Fokus des Interesses verschiebt, wird aus dem Appetit auf Frühstücksflocken plötzlich ein „Sex sells“. Das „everyday object“ wird überspitzt und bis ins Absurde sexualisiert/seinem Kontext enthoben. Das eigentliche Konsumgut, die FLAKES, werden im Zuge dessen herzerfrischend nebensächlich.

Bei all der Aufmerksamkeit, die der Betrachter auf die Darstellung richtet, ist der eigentliche, heimliche Sieger die malerische Ausführung. Hierbei spielt Maaike Dirkx genreübergreifend mit Stilmitteln und Techniken sowohl der Pop Art als auch der klassischen Ölmalerei. So entsteht eine einzigartige Melange aus Werbe-Persiflage und altmeisterlicher Feinmalerei, welche die Künstlerin mit Witz und Charme vermittelt. Und wie sein reales Supermarkt-Pendant ist der FLAKES STORE ein Erlebnis für Jung und Alt.